Jakob Berg: Schönheit mit Verantwortung

„Ohne Schönheit würde der Mensch keine Sekunde überleben.“
Jakob Berg

In der dänischen Designgeschichte gibt es die großen Namen der Fünfziger- und Sechzigerjahre, und es gibt die Generation danach, die sich von Arne Jacobsen, Hans J. Wegner, Finn Juhl und anderen freischwimmen musste. Jakob Berg gehörte zu ihr. 1958 in Roskilde geboren, schloss er 1987 sein Studium an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen ab. Danach arbeitete er im Architekturbüro Dissing + Weitling, das die Arbeit Arne Jacobsens fortführte. Ein Jahr später gründete Berg mit seiner Lebensgefährtin, der Textildesignerin Dorte Østergaard Jakobsen, ein eigenes Studio.

Designer Jakob Berg

Seine frühen Entwürfe sind laut: üppig gepolsterte Loungemöbel mit kräftigen Stoffen und kantigen Metallbeinen, ganz im Geist der späten Achtziger. Doch Berg blieb dort nicht stehen. In den Neunzigerjahren wandte er sich vom Polster ab und dem Holz zu, und mit dem Material änderte sich auch seine Haltung. Ihn beschäftigte, was ein Möbelstück kostet, und zwar nicht nur im Laden: wie viel Material es verbraucht, wer es unter welchen Bedingungen herstellt, wie lange es hält. Seine Antwort waren einfache Lösungen, oft mehrere Funktionen in einem Stück, und so wenig Material wie möglich.

Diese Fragen führten ihn weit über Dänemark hinaus. Für Danida, die staatliche dänische Entwicklungszusammenarbeit, leitete er Möbelprojekte in Bolivien, Ägypten und Vietnam. Dort baute er mit kleinen Betrieben eine Produktion auf, die wirtschaftlich und ökologisch trägt. Lange bevor Nachhaltigkeit zum Schlagwort wurde, experimentierte Berg mit Bambus. Er entwickelte daraus den ersten stapelbaren Stuhl aus geformtem Bambus und nannte ihn schlicht „Grass“.

Mit Verzicht verwechselte Berg seine Haltung nie. Schönheit war für ihn kein Luxus, sondern eine Grundbedingung. Seine Möbel sollten Freude machen und zugleich ehrlich sein: im Material, in der Form, in der Art, wie sie entstehen. Besonders erfolgreich wurden seine Holzmöbel für drinnen und draußen. Viele seiner Entwürfe werden heute, Jahrzehnte nach ihrer Entstehung, noch immer produziert.

Jakob Berg starb 2008, nur wenige Wochen nach seinem fünfzigsten Geburtstag. 2021 erschien die erste umfassende Monografie über sein Werk, herausgegeben von Dorte Østergaard Jakobsen.

Zwei seiner Stühle werden heute in Lettland von Plycollection gefertigt, aus gebogenem Formsperrholz: der Esszimmerstuhl CHAT mit seiner runden Schale und der stapelbare Esszimmerstuhl FLOW. Beide zeigen, worum es Berg ging: wenige Teile und sorgfältig gewähltes Holz, dazu eine Form, die man gern ansieht.